4 Dez.
Magazin

Nach 23 Tagen und 64 Wettfahrten gewann Ungarn den ersten SSL Gold Cup auf Gran Canaria. Insgesamt nahmen 56 Nationen am Wettbewerb teil; die Qualifikation auf dem Neuenburgersee bestimmte den Weg in die Finalserie mit 40 Teams. Fünf Runden auf Gran Canaria führten schließlich in das entscheidende große Finale.

Eine Wettfahrt entscheidet über den Weltmeistertitel

Der Wind war schwach, doch während des fünfminütigen Countdowns stieg die Spannung. Ein Rennen beginnt schon vor dem Startsignal: Die Crews kämpfen um eine Position, aus der sie die Linie am richtigen Ort und mit möglichst viel Fahrt überqueren können. Im Finale um den Titel „World Champion of Sailing Nations“ gab es keine zweite Chance.

Wettfahrt beim SSL Gold Cup 2023
Wettfahrt beim SSL Gold Cup 2023

Spanien und die Niederlande erwischten einen schnellen Start. Ungarn wurde am Startschiff von den Niederländern und Italienern abgedrängt. Italien näherte sich der Linie zu tief, musste an der Tonne anluven und geriet hinter die spanische Yacht.

Die ungarischen „Shamans“ machten den schlechten Start mit einer hervorragenden Kurswahl auf der ersten Kreuz wett. Kurz vor der Luvtonne überspielten sie Spaniens „La Armada“ taktisch: Aus zehn Sekunden Rückstand wurden zwanzig Sekunden Vorsprung. Damit waren die Spanier zugleich einem Angriff der italienischen „Gladiators“ ausgesetzt.

Auf dem Vorwindkurs setzten die Ungarn auf die linke Seite, während die übrigen Boote nach rechts gingen. Es war eine mutige taktische Entscheidung von Teamkapitän Zsombor Berecz. Auch Italien griff Spanien an, während die niederländischen „Dutch Lions“ mit hoher Geschwindigkeit unter Spinnaker wieder aufschlossen.

Ein sauber ausgeführtes Spinnaker-Bergemanöver half Ungarn, den Vorsprung an der Leetonne zu behaupten. Die Niederländer rundeten nur 25 Sekunden später. Seit der Luvtonne hatten sie etwa eine halbe Minute aufgeholt und sowohl Italien als auch Spanien überholt.

Das ungarische SSL-Gold-Cup-Team feiert
Das ungarische SSL-Gold-Cup-Team feiert

Ungarn wehrt die Angriffe ab

Die Niederlande machten weiter Druck. Doch der ungarische Steuermann Róbert Bakóczy hielt das Boot in Fahrt, während Berecz die taktischen Entscheidungen traf. Das Team, das auf Gran Canaria im Sechzehntelfinale eingestiegen war, las Wind und Wellen überzeugend.

Hinter Ungarn lieferten sich die drei Verfolger ein enges Duell. Italien wendete auf die Niederländer, die wiederum Spanien auf der linken Seite festhielten. Diese Manöver halfen den Ungarn: An der nächsten Luvtonne führten sie mit 46 Sekunden Vorsprung, während die übrigen drei Boote nur 14 Sekunden auseinanderlagen.

Als der Wind weiter nachließ, griff Italien erneut an. Ungarn verteidigte die Führung und überquerte die Ziellinie als erster Sieger des SSL Gold Cup. Italien gewann Silber, die Niederlande Bronze; Gastgeber Spanien wurde Vierter.

Der Bericht über das Finale nennt Zsombor Berecz, Róbert Bakóczy, Marcell Goszleth, Csaba Adorján, Ákos Lillik, Levente Takácsy, Balázs Tomai, Zsombor Gyapjas und Áron Németh als Mitglieder der ungarischen Crew. Ihr Erfolg war eine außergewöhnliche Mannschaftsleistung.

Die „Shamans“ waren seit dem 16. November vor Ort. Vor dem großen Finale hatten sie sich über vier Runden gegen insgesamt 13 andere Teams durchgesetzt. Nach 17 Tagen krönten sie ihre Kampagne mit dem ersten Titel und einem inspirierenden Erfolg für den ungarischen Segelsport.

Goldmedaillen für die ungarische Segelmannschaft
Goldmedaillen für die ungarische Segelmannschaft

Stimmen der Segler

Zur entscheidenden Aktion vor der ersten Luvtonne lobte Berecz die Bootsgeschwindigkeit und das Vertrauen in seine Crew. Es sei eine Freude gewesen, ein Team zu führen, das dieses Boot so gut segeln könne.

Er betonte auch die besondere Stärke der Mannschaft: Nur wenige Mitglieder segelten professionell, die anderen gingen unterschiedlichen Berufen nach. Die Kampagne hatten sie ohne Sponsor aus eigenen Mitteln finanziert.

„Vielleicht sind wir einzeln nicht die besten Segler dieses Wettbewerbs. Aber als Team sind wir die Besten, und darauf bin ich sehr stolz.“

Zsombor Berecz, Kapitän des ungarischen Teams

Für Berecz war der Glaube an den Sieg entscheidend – und die Fähigkeit, die gesamte Crew davon zu überzeugen. So einfach das klinge, es komme dabei auf das ganze Team an.

Bakóczy schilderte eine außergewöhnliche Zeit; die Crew könne ihren Erfolg noch kaum fassen. Nach dem schwierigen Start habe sie sich darauf konzentriert, wieder Fahrt aufzunehmen. Die erwartete Rechtsdrehung sei gekommen, sodass das Team innerhalb etwa einer Minute wieder im Rennen gewesen sei.

Italiens Vasco Vascotto erkannte den verdienten ungarischen Sieg an. Seine Mannschaft habe Risiken auf sich genommen, um zurückzukommen. Nach diesem hart umkämpften Rennen sei auch Platz zwei ein hervorragendes Ergebnis. Er dankte der Crew, den Organisatoren, der Wettfahrtleitung und den Offiziellen.

Der niederländische Steuermann Nicholas Heiner lobte das Format, das Menschen zusammenbringe, die sonst nicht gemeinsam oder gegeneinander segeln würden. Ungarn sei im Verlauf der Veranstaltung zu seinem Lieblingsteam geworden. Auf die Frage nach einer Teilnahme an einer zweiten Ausgabe antwortete er augenzwinkernd: „Wenn ich gut genug bin!“

Der ungarische Teamkapitän Zsombor Berecz
Der ungarische Teamkapitän Zsombor Berecz

Ein Fest der Segelnationen

Die Siegerehrung begann mit einem Trommelumzug von den festgemachten SSL-47-Yachten über den Steg bis ins Veranstaltungsgelände. Die vier Finalteams wurden begeistert empfangen. Kinder baten ihre neuen Segelhelden um Unterschriften auf ihren Trikots.

World-Sailing-Vizepräsident Yann Rocherieux hob hervor, wie die Veranstaltung weltweit Menschen für das Segeln begeistern könne. Mit dem Status eines World Sailing Special Event stehe sie neben anderen großen internationalen Wettbewerben wie dem America’s Cup und SailGP.

Das Siegerteam bei der Siegerehrung des SSL Gold Cup
Das Siegerteam bei der Siegerehrung des SSL Gold Cup

Schließlich durfte Ungarn den SSL Gold Cup als erster „World Champion of Sailing Nations“ in die Höhe stemmen. Regattadirektor Paul Hutton-Ashkenny würdigte zum Abschluss eine Veranstaltung, die weltweit live übertragen worden war.

Video zur Veranstaltung

Fotos und ursprünglicher Bericht: SSL Gold Cup. Weitere Informationen bietet der Finalbericht von World Sailing.

Sailing World gratuliert dem ungarischen Team herzlich!